Don’t wake me up

Die letzten Tage in Kourou sind nun auch vorbei. Das versprochene Häkchen an das Abenteuer wurde gesetzt ✅. Wir Sieben sind nun zurück in der Heimat und ich muss sagen, dass ich teilweise gerne dort geblieben wäre, einfach weil es so weit weg von zu Hause ist und so wenig damit zutun hat. Letztendlich bin ich aber dann doch in den Flieger gestiegen und nach acht Stunden in diesem (von denen ich voller Überraschung drei Stunden geschlafen habe), fühlten wir uns am Pariser Flughafen wie in die Zukunft gebeamt. Überall Leuchtreklame, viele Lichter und -Technik. Welcome to our Europe.

Nach einem „kurzen“ Zwischenstopp von fünf Stunden am Pariser Bahnhof, ging es dann mit dem Thalys ins gute alte Düsseldorf. Spätestens in diesem hat jeder die Fahrt für ein Schläfchen genutzt, wenn es nicht schon im Restaurant in Paris der Fall war.

Nun aber zum allerletzten Tag in Kourou, Freitag: Wir Sieben haben alle nur bis 12 Uhr gearbeitet, da uns Charlotte, die esa-Chefin (Raketenbahnhof) zu sich eingeladen hat. Wir haben mit der esa-Chefin zusammen gegessen, waren bei ihr im Haus und sogar im Pool. Verrückt. Wir haben uns mit ihr über unsere Eindrücke von Kourou unterhalten und was wr erlebt haben. Sie ist eine so liebe Person! Sie sagte sogar, dass sie uns Plätze für den Raktenstart (voraussichtlich) im November reservieren würde… Wahnsinn.

Später am Tag, waren wir bei Bäcker Felix auf einen letzten Drink eingeladen. Ihm hat es genau so das Herz gebrochen, wie uns, dass wir am Samstag unser letztes Frühstück bei ihm aßen. Somit gab er uns allen zahlreiche Runden eines Cocktails aus, auf dessen Behälter er zu Beginn des Abends mit den Worten „der wird heute leer gemacht“, zeigte. Er selber trank nach unserer Aufforderung einen ganzen Cocktail auf einmal.

Wir entschieden uns dort essen zu fahren, wo wir auch den Abschlusstag unserer Lehrer zelebrierten, bestellten noch weitere Cocktails und „feierten“ dann in „unserem“ Internat weiter, nachdem weiteres Bier für die Feier im einzigen offenen Lokal, einem kleinen Restaurant, gekauft wurde. Eigentlich war das Internat an diesem Abend wirklich unseres – wir waren die einzigen Bewohner. So tranken wir noch ein paar Bier auf den letzten Abend, auch zusammen mit dem Security-Mann und landeten letztendlich aus der Euphorie heraus, noch bei einer Flasche guyanischem Rum, die am nächsten Tag vor Abflug noch im Supermarkt nachgekauft wurde.

Ich glaube wir alle hatten an diesem Abend so viel Spaß, wie in den drei Wochen nicht.

So ging es dann am nächsten Morgen nach dem Ausschlafen (bis sieben Uhr), nach einem kleinen Stopp beim Supermarkt, mit drei Autos in Richtung Flughafen. 45 Kilometer ging es auf der Landstraße geradeaus, bis ein Kreisverkehr die monotone Strecke unterbrach. Ein letztes justlocalthings begegnete uns dann auf den letzten Metern aber doch: ein Transporter, der mit 120km/h von rechts auf die Landstraße abbog – ohne abzubremsen. Dafür bremste ich dann, denn sein Transporter lag schon leicht schräg auf der anderen Fahrbahn.

Goodbye Kourou, it was a pleasure.

Als abschließendes Resümee, möchte ich das Praktikum und die Zeit in Französisch-Guyana nicht missen. Ich habe so viel erlebt, bin über mich selbst hinausgewachsen, habe mich auf so viele Situationen eingelassen und bin ich am Ende so stolz, es geschafft zu haben… Wir Sieben sind in der ganzen Zeit so zusammgewachsen, obwohl unser Grüppchen von den Charakteren nicht verschiedener hätte sein können und bedanke mich deshalb auch noch einmal bei euch Sechs für die tolle Zeit und eure vielen Worte am letzten Abend. Danke. Die Zeit vor Ort war wirklich ein Abenteuer.

Im letzten Beitrag habe ich ja davon gesprochen, dass ich ein paar localthings heruntergeschrieben habe. Deshalb gibt es zum Schluss einen kleinen Einblick. Here they are, enjoy:

  • Wassermelonen werden im Einkaufswagen am Straßenrand verkauft
  • Ein >>Jus d’Orange<< endet schonmal als Caipirinha (Sonntags um 9:30 Uhr)
  • Abkürzungen mit dem Auto über den Fahrradweg nimmt man als Einheimischer einfach
  • Müllentsorgung findet in Schlaglöchern statt
  • Alkohol und Rum sind zwei verschiedene Sachen
  • Im Regenschauer bleibt man einfach draußen stehen. Dauert ja eh nur fünf Minuten.
  • Wer an der Kreuzung Vorfahrt hat, wird generell spontan entschieden
  • Ampeln gibt es nicht. (Hier ist das Motto „Fressen oder gefressen werden“)
  • Nur Deutsche halten am Zebrastreifen an
  • Sich vor einem Schnürrsenkel erschrecken. SCHLANGE! Ah ne, doch nicht.
  • Nach 14 Uhr begrüßt man sich mit „Guten Abend“
  • Küssgeräusche zu machen ist hier Ersatz für einen guten Anmachspruch
  • Never trust google Maps, es sei denn du nimmst in Kauf zufällig bei der Fremdenlegion zu landen oder den (einberechneten) Hinterhof eines Wohnhauses zu machen, bei dem zufällig beide Tore gleichzeitig offen standen. Was zu Hölle!?
  • Das Notausgang-Schild wird an der Decke befestigt. Also da, wo man es am besten sieht.

Hier ist nun das Ende meines allerletzten Beitrags. Das Ende des Abenteuers. Aber wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja nochmal in das verrückte Land, in dem Regeln mit „wir sind hier in Französisch-Guyana, das interessiert hier keinen“, außer Kraft gesetzt werden.

Bis dahin, aus dem stressigen Deutschland und noch immer gefühlsmäßig in einer guyanischen Blase lebend,

Kerstin.

Ein Gedanke zu „Don’t wake me up

  1. Nick Denis

    Hallo Kerstin,

    vielen Dank für Ihren abschließenden Bericht der noch einmal viele Eindrücke zusammenfasst.

    Machen Sie bitte ganz viel Werbung für die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes während der Ausbildung. Reisen bildet. 🙂

    Viele Grüße
    Nick Denis

    Antworten

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