Archiv des Autors: Kerstin Wollny

Don’t wake me up

Die letzten Tage in Kourou sind nun auch vorbei. Das versprochene Häkchen an das Abenteuer wurde gesetzt ✅. Wir Sieben sind nun zurück in der Heimat und ich muss sagen, dass ich teilweise gerne dort geblieben wäre, einfach weil es so weit weg von zu Hause ist und so wenig damit zutun hat. Letztendlich bin ich aber dann doch in den Flieger gestiegen und nach acht Stunden in diesem (von denen ich voller Überraschung drei Stunden geschlafen habe), fühlten wir uns am Pariser Flughafen wie in die Zukunft gebeamt. Überall Leuchtreklame, viele Lichter und -Technik. Welcome to our Europe.

Nach einem „kurzen“ Zwischenstopp von fünf Stunden am Pariser Bahnhof, ging es dann mit dem Thalys ins gute alte Düsseldorf. Spätestens in diesem hat jeder die Fahrt für ein Schläfchen genutzt, wenn es nicht schon im Restaurant in Paris der Fall war.

Nun aber zum allerletzten Tag in Kourou, Freitag: Wir Sieben haben alle nur bis 12 Uhr gearbeitet, da uns Charlotte, die esa-Chefin (Raketenbahnhof) zu sich eingeladen hat. Wir haben mit der esa-Chefin zusammen gegessen, waren bei ihr im Haus und sogar im Pool. Verrückt. Wir haben uns mit ihr über unsere Eindrücke von Kourou unterhalten und was wr erlebt haben. Sie ist eine so liebe Person! Sie sagte sogar, dass sie uns Plätze für den Raktenstart (voraussichtlich) im November reservieren würde… Wahnsinn.

Später am Tag, waren wir bei Bäcker Felix auf einen letzten Drink eingeladen. Ihm hat es genau so das Herz gebrochen, wie uns, dass wir am Samstag unser letztes Frühstück bei ihm aßen. Somit gab er uns allen zahlreiche Runden eines Cocktails aus, auf dessen Behälter er zu Beginn des Abends mit den Worten „der wird heute leer gemacht“, zeigte. Er selber trank nach unserer Aufforderung einen ganzen Cocktail auf einmal.

Wir entschieden uns dort essen zu fahren, wo wir auch den Abschlusstag unserer Lehrer zelebrierten, bestellten noch weitere Cocktails und „feierten“ dann in „unserem“ Internat weiter, nachdem weiteres Bier für die Feier im einzigen offenen Lokal, einem kleinen Restaurant, gekauft wurde. Eigentlich war das Internat an diesem Abend wirklich unseres – wir waren die einzigen Bewohner. So tranken wir noch ein paar Bier auf den letzten Abend, auch zusammen mit dem Security-Mann und landeten letztendlich aus der Euphorie heraus, noch bei einer Flasche guyanischem Rum, die am nächsten Tag vor Abflug noch im Supermarkt nachgekauft wurde.

Ich glaube wir alle hatten an diesem Abend so viel Spaß, wie in den drei Wochen nicht.

So ging es dann am nächsten Morgen nach dem Ausschlafen (bis sieben Uhr), nach einem kleinen Stopp beim Supermarkt, mit drei Autos in Richtung Flughafen. 45 Kilometer ging es auf der Landstraße geradeaus, bis ein Kreisverkehr die monotone Strecke unterbrach. Ein letztes justlocalthings begegnete uns dann auf den letzten Metern aber doch: ein Transporter, der mit 120km/h von rechts auf die Landstraße abbog – ohne abzubremsen. Dafür bremste ich dann, denn sein Transporter lag schon leicht schräg auf der anderen Fahrbahn.

Goodbye Kourou, it was a pleasure.

Als abschließendes Resümee, möchte ich das Praktikum und die Zeit in Französisch-Guyana nicht missen. Ich habe so viel erlebt, bin über mich selbst hinausgewachsen, habe mich auf so viele Situationen eingelassen und bin ich am Ende so stolz, es geschafft zu haben… Wir Sieben sind in der ganzen Zeit so zusammgewachsen, obwohl unser Grüppchen von den Charakteren nicht verschiedener hätte sein können und bedanke mich deshalb auch noch einmal bei euch Sechs für die tolle Zeit und eure vielen Worte am letzten Abend. Danke. Die Zeit vor Ort war wirklich ein Abenteuer.

Im letzten Beitrag habe ich ja davon gesprochen, dass ich ein paar localthings heruntergeschrieben habe. Deshalb gibt es zum Schluss einen kleinen Einblick. Here they are, enjoy:

  • Wassermelonen werden im Einkaufswagen am Straßenrand verkauft
  • Ein >>Jus d’Orange<< endet schonmal als Caipirinha (Sonntags um 9:30 Uhr)
  • Abkürzungen mit dem Auto über den Fahrradweg nimmt man als Einheimischer einfach
  • Müllentsorgung findet in Schlaglöchern statt
  • Alkohol und Rum sind zwei verschiedene Sachen
  • Im Regenschauer bleibt man einfach draußen stehen. Dauert ja eh nur fünf Minuten.
  • Wer an der Kreuzung Vorfahrt hat, wird generell spontan entschieden
  • Ampeln gibt es nicht. (Hier ist das Motto „Fressen oder gefressen werden“)
  • Nur Deutsche halten am Zebrastreifen an
  • Sich vor einem Schnürrsenkel erschrecken. SCHLANGE! Ah ne, doch nicht.
  • Nach 14 Uhr begrüßt man sich mit „Guten Abend“
  • Küssgeräusche zu machen ist hier Ersatz für einen guten Anmachspruch
  • Never trust google Maps, es sei denn du nimmst in Kauf zufällig bei der Fremdenlegion zu landen oder den (einberechneten) Hinterhof eines Wohnhauses zu machen, bei dem zufällig beide Tore gleichzeitig offen standen. Was zu Hölle!?
  • Das Notausgang-Schild wird an der Decke befestigt. Also da, wo man es am besten sieht.

Hier ist nun das Ende meines allerletzten Beitrags. Das Ende des Abenteuers. Aber wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja nochmal in das verrückte Land, in dem Regeln mit „wir sind hier in Französisch-Guyana, das interessiert hier keinen“, außer Kraft gesetzt werden.

Bis dahin, aus dem stressigen Deutschland und noch immer gefühlsmäßig in einer guyanischen Blase lebend,

Kerstin.

IT’S THE FINAL COUNTDOWN

…NANANANA ⏳.

Ich hoffe, dass nun alle diesen wundervollen Song von Europe im Kopf haben, denn genau mit dieser Stimmung bin ich heute Morgen (Montag) in die dritte und letzte Woche des Auslandspraktikums gestartet. Die letzte Woche. Die letzten fünf Tage arbeiten im Museum – oder besser gesagt, an meinem Flyer. Haaach, der Tag hat so gut begonnen und dann..naja…wie sagt man so schön: nach dem Hochmut, kommt der Fall. Während sechs von uns sich bereits wieder beim Bäcker Felix nebenan zum Frühstück tummelten, kroch eine – ich zitierte Denise – „SPINNE! SPINNE! LEUTE, RIESEN SPINNE!“ über meinen Rucksack, als wir am Tisch sassen. Diese brachte uns alle schon vor der tägliche Tasse Kaffee auf, oder in diesem Fall besser, zum Trab. Durch Felix aber, der sich waghalsig der Spinne mit einem Stück Zewa stellte und uns im Nachhinein seine Beute darin präsentierte, konnten wir ohne fiesen Besucher unser Frühstück fortsetzen. Seit Montag allerdings wird dieser Tisch nun gemieden.

Im Museum angekommen, verbrachte ich die erste Stunde des Tages auf der Terasse in der Morgensonne, da mein Computer (leider) gebraucht wurde. So schrieb ich ein paar Dinge herunter, die hier in Frazösisch-Guyana als völlig normal, von uns aber alles andere als normal angesehen werden, – dazu aber demnächst mehr – als ich von einem Bauarbeiter unterbrochen wurde, der mir in einem kleinen Smalltalk erzählte, wie sehr er Deutschland mag – besonders wegen des Fussballs. Genauer: Dortmund. Er war nicht der erste Guyaner, der uns von seiner Leidenschaft zu diesem Verein erzählte. Der BVB ist bei den Guyanern hier ist scheinbar sehr beliebt!

Später am Tag – ich wollte meinen Ohren kaum glauben – ,als ich von meiner Chefin die magischen Worte „It’s okay“ zur finalen Version meines Flyers hörte, war ich einfach nur happy. Ja, darüber habe ich mich sehr gefreut, denn nach einer der unzähligen Versionen des Flyers, fand ich mich damit ab, dass Begeisterung über den Flyer, abgesehen von der Putzfrau und mir, hier nicht stattfindet. C’est finiiii! *tröööt*

Nachdem ich nun keinen Flyer mehr habe, den ich zum millionsten Mal umgestalten darf, bekam ich am Mittwoch die wichtige Aufgabe, das Grüngelände des Museums auf alle möglichen Blumen und Pflanzen zu erforschen, die mir auffielen, Fotos von diesen zu schiessen und anschliessend die Namen herauszufinden. Was würden die hier nur ohne meine Hilfe tun? Immerhin bot mir meine Chefin Sonnencréme für die Mittagssonne an. Seit Mittwoch sitze ich nun also daran – natürlich angepasst an das Arbeitstempo der Menschen hier vor Ort – die Fotos meiner Erkundungen nachzubearbeiten, um um sie für Facebook besonders ausdrucksstark aussehen zu lassen.

Da sich aber die Tage hier vor Ort nun schon an einer Hand abzählen lassen, fallen mir mehr und mehr Dinge ein, an die man sich mittlerweile gewöhnt hat, oder die man vielleicht sogar zu Hause vermissen wird: Das morgendliche Frühstücksritual mit den anderen sechs aus der Gruppe in der Bäckerei, das Gute-Laune-Wetter (warme Temperaturen um die 30 Grad Celsius samt Sonnenschein im Oktober), das an den Strand gehen nach Feierabend (wenn auch nur für eine Stunde, da es dann schon dunkel wird), das Ausweichen vor den mittlerweile bekannten Schlaglöchern auf den Routen, die man bereits ohne Google Maps hinter sich legt, die Frage von Felix, dem Bäcker, ob man einen >>Jus d’Orange<< zum Frühstück möchte, der sich als Caipirinha entpuppt, oder aber der mittlerweile angepasste Fahrstil an die Einheimischen, der dann auch mal über den Fahrradweg führt… Mit einem Bein stehen wir Sieben nach drei mehr als aufregenden Wochen, die sich anfühlten wie drei Monate, quasi wieder zu Hause.

Aber so nervenaufreibend das Slalom-Fahren bei den ganzen Fahrradfahrern hier war, wird es mir doch fehlen mit unserem roten Schlitten durch Guyana zu fahren und die „Familie“ einzusammeln.

Die Zeit, als die Lehrer noch mit uns hier waren, kommt einem so weit entfernt vor, genau wie unser Kurzaufenthalt in Paris. Heute geht es an das Kofferpacken…Wird das vielleicht eine Umstellung sein, in Deutschland plötzlich wieder ein ganzes Zimmer für sich und einen Herd zu haben. Noch kann ich mir das gar nicht so richtig vorstellen…

Eine Sache, die ich aber definitv NICHT vermissen werde: Reis von Oncle Ben’s aus der Mikrowelle – Achtung, Werbung wegen Markennennung – (lauetete der Satz so?) den hatten wir hier nämlich meehr als genug!

Wenn wir nach der Landung in Paris nicht aufgrund der Temperaturdifferenz erfroren sind, erzähle ich euch von den beiden allerletzten (!!!) Tagen und den Erlebnissen hier aus Französisch-Guyana.

Bis dahin,

Kerstin.

Kulturelle Annäherungsversuche

Guten Morgen hier aus Kourou,

die Zeitdifferenz nach Deutschland ist auch nach zwei Wochen immer noch nicht dauerhaft präsent in meinem Kopf. Zu oft frage ich mich warum meine Verwandten mir nicht antworten, bis es mir wieder einfällt. Da wir gerade wie immer das Frühstück bei unserem Bäcker, Felix, nebenan genießen, gebe ich mal ein Update darüber, was hier seit Freitag noch so passiert ist.

Aaaalso: Wir haben uns das erste Mal mit dem Auto ganz waghalsig durch die „Bronx“ neben unseres Internats getraut. Mit 500 Sachen – so fühlte es sich an – sind wir Deutschen dann ganz undercover in unserem roten Citroen C3 durch die Straßen geheizt.

Am Freitag sind nun die anderen Bewohner des Internats in die Ferien gereist und wir Sieben sind nun alleine in „unserer Villa“. Endlich wird es ruhig. Haha, nö. Seit Freitag feiert unsere „Nachbarschaft“ nun durchgehend ihre Straße, den Regen oder etwas anderes. Feiern können die hier scheinbar. In der Nacht von Freitag auf Samstag hatten wir zwei Mal so starken Platzregen, dass der Strom ausfiel und daraufhin die Alarmanlage der Turnhalle anging – um 4 Uhr nachts. Leider trägt das aber nicht zur nächtlichen Ruhe bei und wir sehnen uns seit Tagen nach einem friedlichen Schlaf ohne dauerhafte Störungen #schlafmangelseit2wochen

Gestern gab es hier dann unser Highlight: Einen Ausflug auf die Îles du Salut. Mit dem Katamaran ging es einmal über den Atlantik rüber auf die Insel. Der Strand dort mit all‘ den Palmen und türkis blauem Wasser waren einfach nur paradiesisch. Vorort haben wir dann die Äffchen mit unseren Keksen vollgestopft. Durch das lange Spazieren durch die Sonne, waren aber alle am Ende des Ausflugs so müde, dass die Rückfahrt auf dem Katamaran für einen Powernap genutzt wurde… (Es war fast angenehmer als im Internat, haha)

Am Abend waren wir dann zu einem Grillfest bei den Leuten der Ariane-Group eingeladen und waren so, so dankbar über den Abend. Wir hatten super viel Spaß, nette Unterhaltungen und Essen – Ausnahmsweise mal nicht aus der Dose. Daraus entstand auch das extrem nette Angebot von Frank, dass wir unsere Wäsche hier bei den Ariane’s waschen dürfen. So standen wir dann heute morgen mit einem kompletten Kofferraum voller miefender Wäsche vor den Toren der Ariane-Group, da die Waschmaschine seit Tag eins im Internat kaputt ist. Nach gefühlt 100 Waschgängen nun endlich wieder frische Wäsche! Wir lernen uns hier wirklich über die allerkleinsten Dinge zu freuen… (Nachtrag: Eben haben wir dabei zugesehen, wie sich ein Leguan voller Begeisterug über unsere frisch gewaschene Wäsche zog. Alltag.)

In der Arbeit ist nichts spannendes mehr passiert. Ich sitze immer noch an der englischen Version des Flyers, bei der ich nun auch noch eine Wegbeschreibung als Karte selbstständig am PC erstellen soll. Wie? Das weiß ich auch noch nicht, aber ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Kleiner Tipp noch zum Schluss: Never trust Google Maps in French-Guyana. Als ich zusammen mit David am Freitag ein paar unserer Gruppe abholen und rechts abbigen wollte, landeten wir plötzlich vor den Toren der Fremdenlegion. Nope, da wollten wir ausnahmsweise nicht hin.

Bis zum nächsten Eintrag,

Kerstin.

Vorbereitung auf das Leben im Amazonas

…so oder so ähnlich könnte man wohl das nennen, was ich während meiner Arbeit vermittelt bekomme. Neben der ’normalen‘ Arbeit im Büro, die sich seit meines ersten Tages hier um die Gestaltung eines Flyers auf Englisch und Deutsch dreht – bei der ich heute nach 9 Tagen der überarbeitung fast durchgedreht wäre -, werde ich manchmal ganz spontan zu einer Runde Bogenschiessen oder Feuermachen nach draussen gerufen, oder wenn irgendwelche Tiere das Museum besuchen. Beim Bogenschiessen stellte ich mich mit einer Quote von zwei von drei Treffern gar nicht so schlecht an. Demnächst werde ich mich wohl um das Essen für uns im Internat kümmern.
Apropos Tiere: In meinem ersten Beitrag hier aus Französisch-Guyana berichtete ich ja bereits davon, dass meine Chefin mich darauf hinwies, hier öfter Frösche auf dem stillen Örtchen antreffen zu können. Jup, einen dieser Jungs habe ich nun tatsächlich persönlich kennengelernt. Gaaanz normal.Da das Leben auch hier aber nicht nur aus Arbeit besteht, hier ein paar Neuigkeiten über das Leben der ’sieben Deutschen‘ in Französisch-Guyana: irgendwie passiert jeden Tag etwas unererwartetes. Nachdem die vielen Eindrücke und Erlebnisse vor Ort ein paar aus unserer Gruppe über den Kopf wuchsen, hat es einen Survivor nun gesundheitlich angeschlagen. Gerade jetzt geniessen wir deshalb umso mehr die kurze Zeit unseres Feierabends zusammen am Strand, bei dem Geräusch der aufbrechenden Wellen und des leichten Windes im Ohr. Meistens folgt darauf eine kurze Dusche im Internat, bis wir uns zum Warmmachen des Essens wiedersehen. Warmmachen des Essens? Ja, denn wir haben im Internat nur eine Mikrowelle zur Verfügung, daher folgt jeden Tag die schwere Entscheidung: Reis oder Dosen-Ravioli? Oder doch lieber Reis?Am Sonntag waren wir dann noch zusammen mit unseren Lehrern im Zoo von Kourou, der uns empfohlen wurde. Unser Highlight waren allerdings die dort umher-irrenden Äffchen, die tatsächlich in der freien Wildbahn leben und dem Zoo einen kleinen Besuch abgestattet haben (siehe Foto).Seit Anfang dieser Woche darf ich nun meinen Arbeitsweg und die täglichen Routen zum Strand oder den Restaurants zusammen mit den anderen im Mietwagen zurücklegen. Anfangs hatte ich tatsächlich ein wenig Respekt vor dem Fahrstil der Guyaner hier, doch ich habe schnell gemerkt, dass gar nicht die Autofahrer das Problem auf der Stasse sind, sondern eher einheimische Fahrradfahrer, die auch mal gerne in Schlangenlinien fahren und daraufhin von der Gendarmerie angefahren werden. (Hier passt unser Stichwort: just local things).Ein anderes lokales Phänomen hier ist, dass die Einheimischen immer wieder Vorschriften mit der Begründung umgehen, dass wir ja hier in Französsich-Guyana sind und es hier niemanden interessieren würde. So war es auch am Mittwoch während meiner Arbeit, als ich Fotos von einer Besuchergruppe aus Frankreich gemacht habe, die man eigentlich nicht verwenden dürfte, weil die Jugendlichen Pfeil und Bogen in der Hand hielten und dafür ein Zertifikat nötig wäre. Naja, im Endeffekt haben wir sie doch benutzt, ihr könnt euch ja denken warum. In Deutschland hätte schon längst ganz laut jemand „Datenschutzgrundverordnung!“ geschrien.Gestern haben wir dann das gute alte Bergfest gefeiert. Die Hälfte der Zeit haben wir schon überl… geschafft. Ab heute sind es noch genau acht Tage. Acht Tage bis wir voller stolz ein grosses Häkchen hinter das Abenteuer Französisch-Guyana setzen und das Leben im gewohnten Deutschland fortführen können.Zum Schluss wie immer noch ein paar Fotos aus unserer Woche.Bis zum nächsten, hoffentlich spannenden Bericht (vielleicht ja wirklich aus dem Amazonas),Kerstin.

Survivor in Französisch-Guyana

Nachdem ich ja in meinem letzten Beitrag schon berichtet habe, dass wir sieben einen sehr großen Kulturschock erlebt haben, haben wir an einem Abend sogar kurz daran gezweifelt, dass unser Abenteuer hier ohne Weiteres weitergehen kann -vor allem wenn die Lehrer, die unsere Mama und unseren Papa ersetzt haben, am Sonntag wieder nach Deutschland reisen. Wir haben uns aber für das Abenteuer entschieden und dafür #SURVIVOR zu sein.

Damit wir uns hier auch über weitere Distanzen fortbewegen können, haben wir nun einen Mietwagen bekommen – Gott sei Dank! Es müssen doch keine Lebensmittel für zwei Wochen gebunkert werden, wooohoo.

Die erste Woche ist nun schon vorbei und es ist so viel passiert, dass wir alle gefühlt einen Monat hier sind. Wir haben zahlreiche Lokale ausprobiert, haben den Strand des Öfteren besucht und beim ersten Mal ein super Postkarten-Motiv gefunden (Foto findet ihr weiter unten), haben einen Kaffee mit der Chefin der CSG (also des Raketenzentrums hier vor Ort. Wow.) getrunken, die uns dann auf die Gästeliste für die Kourou-Fashionweek gesetzt hat, hatten dann gestern auch noch eine Besichtigung durch das Raketenzentrum und, und, und…

Wir sind aber natürlich nicht nur zum Spaß hier, denn es ist immerhin ein AuslandsPRAKTIKUM. Wie schon berichtet, arbeite ich im archäologischen Museum hier vor Ort und darf mich kreativ austoben. Da meine Kamera sowieso immer dabei ist und ich mich hiermit als Hobbyfotografin oute, hat meine Chefin mir die Aufgabe übertragen, einen neuen Flyer für das Museum zu gestalten, an dem ich nun seit Montag voller Engagement beschäftigt bin. Kourou ist nämlich ein ziemlich kleiner Ort hier und vom Tourismus und Marketing sehr, sehr weit zurück – an meinem Flyer arbeite ich mit Libre Office 5 auf Französisch. Somit fuchse ich mich jeden Arbeitstag aufs neue durch die Einstellungen, die ich hinter den Begriffen auf Französisch vermute und lasse mich von deren Funktion überraschen. Natürlich kann ich etwas Französisch und man merkt jeden Tag, wie man mehr und mehr Unterhaltungen der Kolleginnen und Kollegen versteht, aber Zuhause habe ich eben nur Delf auf dem Niveau A1 gemacht.

Ich persönlich bin aber wirklich erstaunt, wie schnell der Kopf den Schalter auf andere Sprachen umstellen kann. Nachdem wir uns seit Beginn an auf Amateur-Französisch, Englisch oder untereinander auf Deutsch verständigt haben, hatte ich nach zwei Tagen schon Wortfindungsstörungen, wenn es darum ging etwas auf Deutsch zu erklären. Ehhm…give me a second.

Wir alle sind uns aber einig: Planen kann man seinen Tag hier nicht. Man hat zwar eine kleine Vorstellung davon, was man erledigen möchte, aber es wartet jeden Tag etwas völlig Unerwartetes und Neues auf einen. Plötzlich läuft einem eine riesen Vogelspinne über den Weg, man entschließt sich spontan dazu nach Feierabend an den Strand zu fahren oder ein Kakerlaken artiges Wesen mit Schmetterlingsflügeln sitzt über dem eigenen Kopf und schaut einen ganz freudig an, während man…mal eben austritt. RUN.RUN.RUN. Ich habe schon gesagt, dass ich mein eigenes Panini-Album erstellen werde, wenn ich wieder Zuhause bin und rein kommen Fotos von all‘ den entdeckten Tieren hier.

Schon wieder sitzen wir nun in unserem Bäcker nebenan und genießen unser Frühstück. Einen Cafè au lait, der jedes Mal anders aussieht und dazu ein frisch gebackenes Stück Baguette. Gleich geht es in den Zoo, der letzte Ausflug mit „Mami und Papi“ zu neunt in unserem kleinen gemieteten Bus.

Auch ich möchte mich zum Schluss hierüber nochmal bei Beiden für die viele Mühe, den Taxi-Service, Empfehlungen, Sprüche und Abenteuer bedanken. Auch Sie sind nun #Survivor. Einen guten Flug und tolle Rückreise zurück in die Heimat,

Kerstin Wollny.

Hier noch ein paar Fotos von der Fashionshow, die ich gemacht habe und auf die ich super stolz bin:

Macheten als Büromaterial

So hat unser Abenteuer nun begonnen, voller Vorfreude ging es vor einer Woche mit dem Thalys Richtung Paris. Die Laune war (noch) bei allen super: die Koffer sind gepackt (mit jeweils 23kg), es waren genug Snacks für die Fahrt vorhanden und der Zug war pünktlich.

Kurz vor Aachen hieß es dann allerdings: Raus aus dem Thalys, es wurden Kabel auf der Strecke geklaut. Egal, kurz in den Bus und dann weiter in den Thalys nach Paris. Den Bus gab es allerdings nie. Auch nach 1 ½ Stunden nicht. Die gute Laune wich mehr und mehr dem Genervtsein. Hunger, Pipi, müde, kalt. Ich schätze, dass wir die Gutscheine für die Taxis nach Lüttich von der DB auch nur bekommen haben, weil sie so genervt von uns waren. Eingequetscht auf der Hinterbank mit großem Koffer auf dem Schoß, ging es dann mit dem Taxi nach Lüttich. Es ging weiter!

Endlich in Lüttich angekommen und schon jetzt völlig fertig, fuhr heute kein Thalys mehr nach Paris. So ging es nach einer weiteren Wartezeit mit dem Regionalexpress nach Brüssel und dann ENDLICH in den mehr als vollen Thalys – Himmel!

Unsere Ankunft in Paris vorschob sich von 12 Uhr auf 18 Uhr. Aber hey, einfach ins Hostel fahren und kurz frisch machen. Nix da, Metro Linie 4 fährt heute nicht (Zufall?). Zum gefühlt millionsten Mal trugen wir nun alle Koffer einen Bahnhof weiter durch Paris, um dort eine andere Linie nehmen und eeeendlich ins Hostel gehen zu können. Nach dieser Anreise hatte eigentlich niemand mehr Lust auf Sightseeing, dehalb: Essen, auf zum Eifelturm und einfach nur ins Bett!

Am nächsten Tag lief dann GOTT SEI DANK alles glatt. Im Flugzeug angekommen, freuten sich alle auf das nun beginnende Abenteuer: Französich-Guyana. Sommer, Strand, Bikini (höhö, wartet ab…). Nach neun Stunden über den Wolken, zwei Filmen und -Mahlzeiten und einer Dokumentation über weiteres Essen landeten wir in in Südamerika. Nun fuhren wir zu neunt im Mietwagen Richtung Unterkunft.

Innerhalb der ersten beiden Tage hier, habe ich so viel erlebt, wie lange nicht mehr. Am ersten Abend noch musste der Schock über das kahle Zimmer ohne viel Schnickschnack verdaut- und die so starrenden Menschen ignoriert werden, weil sie so selten Touristen sehen. Zu allem Übel, war die Pizza auch nicht gut. Cool bleiben!

Auch dieser lange Tag hatte am Ende nur 24 Stunden und der erste Praktikumstag brich an. Im CAAK – Centre d’Archèologie de Kourou, dem Archäologiemuseeum- wurde ich untergebracht. Die Arbeit hier und allein das Büro unterscheidet sich sehr von meiner Heimat. Hier meine Highlights der ersten Tage:

  • „Coconut time“. Zu dieser Zeit wird dann einfach mal eine kurze Pause gemacht, eine Kokosnuss mit Machete von der Putzfrau geöffnet und gegessen/ getrunken -> Macheten gelten deshalb hier als grundlegendes Büromaterial.
  • Klodeckel müssen immer heruntergeklappt werden, andernfalls können Frösche aus der Toilette komnen.
  • Arbeiten in Unterwäsche ist hier vollkommen okay, wenn man sich nach der Herstellung von Gipsplatten dreckig gemacht und sich anschließend mit dem Gartenschlauch abgeduscht hat.
  • Bei Arbeitsbeginn kann es schonmal passieren, dass einem ein Frosch vom Bürofenster entgegenspringt. Auch Vogelspinnen auf dem Weg zur Toilette sind völlig normal. Gut, so dringend muss ich doch nicht.

Damit das ganze allerdings nicht zu lang wird, beende ich jetzt hier meinen Post und werde beim nächsten Mal mehr von unserem Leben hier, im Internat und unserem Stammlokal, dem Bäcker nebenan, in dem ich gerade schon wieder sitze, berichten.

Bis dann,

Kerstin.

Bevor mein Praktikum in Französisch-Guyana beginnt

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe mögliche Nachfolgerinnen und Nachfolger für ein Auslandspraktikum,

mein Name ist Kerstin, ich bin 20 Jahre alt und mache derzeit eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement in Düsseldorf. Seit diesem August befinde ich mich bin ich im zweiten Ausbildungsjahr und am 05. Oktober beginnt die bisher spannendste Zeit für mich: ein dreiwöchiges Praktikum in Französisch-Guyana, Südamerika.

Wie man darauf kommt genau dort ein Praktikum zu absolvieren? Naja, so genau beantworten kann ich es auch nicht. Ich habe mich zu beginn meiner Berufsschulzeit für eine Zusatzqualifikation des Internationalen Marketings entschieden. Um entsprechendes Zertifikat von der IHK erhalten zu können, muss ein dreiwöchiges Praktikum im Ausland vorgewiesen werden. Irgendwie war es Zufall und Glück zugleich, dass unsere Schule genau dieses Jahr das erste Mal die Chance bekam, Schülerinnen und Schüler aus unserem Kurs dorthin mitnehmen zu können – vor allem, nachdem ich mich bereits erfolglos in Österreich um einen Praktikumsplatz beworben hatte. Die Chance ein Praktikum in Südamerika machen zu können, machte mich sofort neugierig – nach ein paar weiteren Informationen unserer Lehrer habe ich mich gedanklich schon entschieden: Ich möchte mit!

Nun sind es nur noch sieben Tage bevor es losgeht. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben! 21 Tage werden wir – fünf Mitschülerinnen und ein Mitschüler – weit weg von Zuhause arbeiten, umgeben von einer völlig anderen Kultur, einer anderen Sprache und den – für uns Deutschen im Oktober ungewohnten – Temperaturen um die 30 Grad Celsius.

Würde man mich fragen, was ich mir von meinem Praktikum wünsche, kommen mir folgende Wörter direkt in den Sinn: Erfahrung und Verbesserung.
Ich möchte ganz viele Erfahrungen sammeln. Zum einen, wie die Arbeitsbedingungen dort sind, wie man dort lebt. Wie ein typischer Arbeitsalltag dort aussieht und wie meiner sich möglicherweise daran anpassen wird. Ich möchte viele Erfahrungen im Kontakt mit anderen Kulturen sammeln und offen auf sie zugehen.
Abgesehen davon möchte ich aber auch meine Sprachkenntnisse verbessern. Jetzt, so kurz vor der Reise, erscheint mir die Verständigung nämlich noch als mein größtes Hindernis – immerhin wird in Französisch-Guyana – wie der Name schon sagt – Französisch gesprochen. Da erscheint mir mein im Mai erkämpftes Französisch-Zertifikat auf dem Level A1 ein bisschen wenig.
Aber, wofür hat man Hände und Füße!?

Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, warum ich diesen Text hier überhaupt schreibe…
Wir Schülerinnen und Schüler hatten das Glück, durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union einen finanziellen Zuschuss zu erhalten, der die Reise natürlich um einiges einfacher macht. So eine Reise wäre ohne dieses Programm für mich als Auszubildende nämlich schier unmöglich gewesen. Im Zuge dieses Programms, teilen wir unsere Erfahrungen vor/ während und nach der Reise mit euch. Ehrlich gesagt macht mir das Ganze sogar ein wenig Spaß, daher geht es gleich weiter im Text und mit den Aspekten, von denen wir euch noch vor der Reise berichten sollen:

Für mein Auslandspraktikum nehme ich mir vor, dass ich ganz offen in dieses Abenteuer starte. Ich möchte mir keine zu großen Vorstellungen über die kommenden drei Wochen machen und erst recht keine Vorurteile über die Kultur aufkommen lassen. Ich möchte mich überraschen lassen.

Bei der Vorbereitung auf das Praktikum ist mir folgendes passiert: Zum Glück ist (noch) nichts wirklich schlimmes oder großes passiert, was sich wohl in meine Erinnerungen einbrennen wird. Das Einzige, was ich bisher als ein wenig lästig empfand, waren die Impfungen, die leider für meinen Aufenthalt in Französisch-Guyana anfielen.
Die Impfung gegen Gelbfieber hat mich nämlich gut eine Woche außer Gefecht gesetzt.
Nun bin ich allerdings wieder fit und munter und kann beginnen meinen Koffer zu packen.

Jetzt zu einer Frage, bei der für die Beantwortung etwas länger gebraucht habe:
Was bedeutet Digitalisierung für deinen Arbeitsalltag in deinem Ausbildungsbetrieb?
Ich muss gestehen, dass mein Unternehmen sich momentan meiner Meinung nach noch im Umbruch befindet und vieles noch schriftlich per Hand gemacht wird, daher sehe ich auch mein neulich stattgefundenes Webinar als Weg in die Digitalisierung an. Allerdings wird in meinem Betrieb sehr darauf geachtet, weniger Papier durch Ausdrucke zu verschwenden und mehr und mehr zum „papierlosen Büro“ zu werden.

Mein persönliches Lernziel:
Wie bereits erwähnt, möchte ich erleben, wie sich der Arbeitsalltag fernab von meinem Heimatland, Deutschland, unterscheidet, ob er stark abweicht und ob meiner sich daraufhin verändern wird.
Weiterbildung möchte ich vor allem im Umgang mit anderen Kulturen und möglichen sprachlichen Differenzen erfahren, denn genau an diesem Punkt kann ich meiner Meinung nach noch genügend dazulernen.

Ich hoffe, dass nun etwas meiner Neugier auf (m)ein Auslandspraktikum auf euch abfärben konnte und dass ihr genauso gespannt auf die Erlebnisse vor Ort seid, wie ich.

Bis zum nächsten Beitrag, vermutlich aus Französisch-Guyana,

Kerstin.